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Hypnose im Alltag

  • stephaniehergersbe
  • 31. März
  • 3 Min. Lesezeit


Meine Tochter ist vor zwei Wochen mit ihrem Trottinett gestürzt und hat sich dabei den Ellenbogen aufgeschürft. Verständlicherweise musste sie stark weinen und war sehr aufgebracht.

Zuerst habe ich sie gehalten und getröstet – ich habe sie also co-reguliert. Das bedeutet, dass ich ihr geholfen habe, aus dem Zustand starker Erregung herauszukommen, indem ich sie über mein eigenes Nervensystem beruhigt habe – vor allem durch körperliche Nähe und Halt.

Wenn sich jemand im Sympathikus-Zustand befindet, fällt Zuhören schwer. Der Körper ist dann auf Kampf oder Flucht vorbereitet. Erst wenn wieder Regulation eingetreten ist, macht ein Gespräch oder Austausch wirklich Sinn.

In unserem Alltag begegnen wir ständig Formen von Hypnose. Wachhypnose-Techniken finden sich zum Beispiel in der Werbung, in der Medizin oder in religiösen Kontexten.

Wenn unsere Emotionen angesprochen werden – also Bereiche, die eng mit dem Unterbewusstsein verknüpft sind – sind wir eher bereit, Suggestionen anzunehmen.

Ein bekanntes Beispiel ist der Slogan „Just do it“ von Nike. Er gilt als klassisches Beispiel für suggestive Werbung im Sinne von Wachhypnose. Der Satz ist bewusst sehr kurz und einfach gehalten, sodass er direkt auf das Unterbewusstsein wirkt. Er regt nicht zum Nachdenken an, sondern vermittelt eine klare, fast automatische Handlungsaufforderung: „Mach es einfach.“ Dadurch wird der kritische Verstand, der normalerweise reflektiert und hinterfragt, umgangen. Gleichzeitig wird der Slogan fast immer mit emotionalen Bildern von Sportlerinnen und Sportlern kombiniert – Menschen, die kämpfen, scheitern und letztlich erfolgreich sind. Diese Bilder erzeugen Gefühle von Mut, Stärke und Durchhaltevermögen, die direkt mit der Marke Nike verknüpft werden.

Aber auch wir Eltern sind – im übertragenen Sinne – „Hypnotiseurinnen und Hypnotiseure“ unserer Kinder. Kinder befinden sich in einem hoch suggestiblen Zustand. Wenn sie Sätze von Eltern, Lehrpersonen oder anderen engen Bezugspersonen hören, haben diese ein besonderes Gewicht und wirken oft bis ins Erwachsenenalter nach.

Wie können wir das also konstruktiv nutzen?

Im Fall meiner Tochter zeigte sich das folgendermassen: Nachdem eine Entspannung eingekehrt war, erklärte ich ihr, dass nun alles aus der Wunde austritt, was nicht dorthin gehört, und dass bald ganz viele Zellen zur Wunde transportiert werden, um eine neue Hautschicht zu bilden.

Nach einem kurzen Zögern fragte sie mich: „So wie auf einer Baustelle, wenn ein Kipplaster Erde bringt?“ – „Ja, genau so.“

Dann rief ihr kleiner Bruder: „Bagger!“ – und wir waren mitten in unserer Geschichte. Von da an stellten wir uns vor, wie ein Kipplaster die „Zellen“ bringt und ein Bagger sie auf die Wunde kippt. Wir hatten alle sichtlich Spass dabei.

Meine Tochter sagte bald immer wieder, dass es nicht mehr weh tue, weil die Bauarbeiter so gut arbeiten würden. Nach einer Weile erzählte sie mir sogar, dass nun auch ein Kran aufgestellt worden sei. Und so fantasierten wir weiter: Wann ist die Baustelle fertig? Arbeiten die Bauarbeiter auch nachts?

In den folgenden zwei Wochen war das immer wieder Thema – im positiven Sinn. Auch die Wertschätzung für die grossartige Arbeit des Körpers kam dabei immer wieder zur Sprache. So werden die Selbstheilungskräfte gestärkt.

Wenn eine positive Vorstellung davon besteht, wie eine Verletzung heilt, und wir daran glauben, bleibt der Körper eher entspannt und kann seine Selbstheilung in Ruhe ausführen. Wenn der Körper hingegen ständig Stress ausgesetzt ist – was auch durch Gedanken ausgelöst werden kann – treten eher Komplikationen auf.

Natürlich gelingt eine so entspannte Herangehensweise nicht immer. Wenn sich Kinder verletzen, geht uns das als Eltern sehr nahe, und je nach eigener Prägung schlägt unser Nervensystem Alarm. Doch auch hier kann Hypnose helfen, solche Reaktionen abzumildern.

Dieser Bericht soll vor allem inspirieren und dazu beitragen, Hypnose im Alltag greifbarer zu machen. Wenn auch du solche Techniken anwendest, freue ich mich, davon zu hören.

 

 
 
 

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